bonito urban space /konzept
bonito urban space /konzept
B-U-S
Es gibt sie noch, die Schwärme von fetten Bonitos, einer Makrelenart, und von nur fingerlangen Schwarzmeersardellen, den Hamsi. Sie wandern jedes Jahr von ihren Laichgründen vor Odesa die Küste entlang bis Batumi, wo sie sich teilen. Die einen schwimmen nach Norden, die anderen zurück, quer durchs offene Meer.
Bonito Urban Space wurde am 15.12.2023 als temporärer Raum für transkulturelle Begegnungen und als temporärer Ausstellungsraum im CCA -Tbilisi eröffnet. In Tbilisi leben, verstärkt durch den Krieg in der Ukraine und Armenien, verschiedene Bevölkerungsgruppen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken mit teils konträren Emigrationsgründen nebeneinander und müssen das Leben in der Fremde neu organisieren. Unter ihnen sind überdurchschnittlich viele Intellektuelle und Künstlerinnen und Künstler. Gibt es Kommunikation zwischen den Gemeinschaften, gibt es gemeinsame Pläne und Aktivitäten? Wirken die destruktiven Energien, die einen Krieg begleiten auch unter den (neu) Emigrantinnen und Emigranten?
Tbilisi mit seiner historischen Erfahrung zwischen den Kulturen und an der Schnittstelle zwischen Asien und Europa ist gerade jetzt ein möglicher Ort, um in Kommunikation zu bleiben. Durch den Krieg verändern sich die Beziehungen der Menschen, die Einordnung von Orten, Landschaften, Bildern. Es gibt die Bilder des Davor und Danach. Vor-Bilder sind zu Nach-Bildern geworden.
Das Projekt ist der Idee der Serendipität verbunden, der zufälligen Beobachtung und dem folgen von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, welches sich als neue und überraschende Entdeckung erweist. Das Spezifische des Projekts ist die nicht-hierarchische, offene und spartenübergreifende Organisationsstruktur. Zum Selbstverständnis der Initiatoren gehört das verbinden von Menschen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen, kulturellen Prägungen und Erfahrungshorizonten, die Verknüpfung unterschiedlicher künstlerischer Qualifikationen und Positionen. Nicht zuletzt soll damit auch einem Abbruch der kulturellen Traditionen, der gewachsenen Verbindungen, vorgebeugt werden, die der Krieg mit sich bringt. Bonito bedeutet die Möglichkeit des Aufbaus einer offenen Plattform, auf der die Entstehung von neuen und in ihrer Struktur netzwerkartig arbeitenden temporären Gemeinschaften praktiziert werden kann.